Manchmal ist die größte Hürde beim Preppen gar nicht die Motivation, sondern die schlichte Frage: „Wie viel ist eigentlich genug?“
Wer anfängt, sich mit Notfallvorsorge zu beschäftigen, stößt schnell auf widersprüchliche Empfehlungen. Die einen raten zu drei Tagen, die anderen zu zwei Wochen. Wieder andere sprechen von drei Monaten oder mehr. Kein Wunder, dass man da ins Grübeln kommt.
Die Antwort ist wie so oft: Es hängt davon ab. Von deiner Lebenssituation, deinem Wohnort, deinen Prioritäten – und davon, wie weit du gehen möchtest. Trotzdem gibt es drei Faustregeln, die dir Orientierung geben: die 3-Tage-Regel, die 14-Tage-Regel und die 90-Tage-Regel.
Warum diese Zahlen?
Diese drei Stufen sind nicht zufällig gewählt. Sie spiegeln wider, welche Szenarien im Alltag und in Krisen realistisch sind:
- 3 Tage: Kleine Störungen, die fast jedem passieren können – Stromausfall, Unwetter, kaputte Wasserleitung.
- 14 Tage: Größere Unterbrechungen der Versorgung – Hochwasser, längerer Stromausfall, Streiks.
- 90 Tage: Szenarien, in denen staatliche Hilfe nur sehr eingeschränkt funktioniert – großflächige Blackouts, schwere Pandemien, politische oder wirtschaftliche Krisen.
Die 3-Tage-Regel – dein Sicherheitsnetz für den Alltag
Stell dir vor, ein Herbststurm fegt über die Stadt, die Straßen sind blockiert, und der Strom fällt für ein paar Stunden oder gar einen Tag aus. Kein Grund zur Panik – wenn du vorbereitet bist.
Was gehört zu den Basics für drei Tage?
- Wasser: mindestens 2 Liter pro Person und Tag (besser 3).
- Lebensmittel: haltbar, ohne Kühlung genießbar.
- Lichtquellen: Kerzen, Taschenlampen, Ersatzbatterien.
- Wärme: Decken, Schlafsack, vielleicht ein kleiner Gaskocher.
- Medikamente: das Nötigste griffbereit.
Die 3-Tage-Regel ist so etwas wie der Einstieg ins Preppen. Sie ist machbar, kostet wenig und macht sofort einen spürbaren Unterschied.
Die 14-Tage-Regel – die Empfehlung der Behörden
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt offiziell, für 14 Tage vorzusorgen.
Der Grund ist einfach: In Katastrophenfällen dauert es oft länger, bis die Versorgung wieder funktioniert. Und staatliche Hilfe kann nicht sofort jeden Haushalt erreichen.
Hier beginnt die ernsthafte Planung. Zwei Wochen ohne Einkaufen oder Strom auszukommen, bedeutet:
- Lebensmittel: rund 28 Liter Wasser pro Person, plus haltbare Nahrungsmittel (z. B. Nudeln, Reis, Konserven, Haferflocken).
- Kochen: Alternative Möglichkeiten, wenn Herd und Mikrowelle ausfallen.
- Hygiene: Seife, Müllbeutel, Feuchttücher, ggf. Campingtoilette.
- Kommunikation: Batterieradio oder Kurbelradio, um Nachrichten zu empfangen.
Die 14-Tage-Regel ist eine solide Basis. Wer hier angekommen ist, hat bereits eine Vorsorge, die vielen Krisensituationen standhält.
Die 90-Tage-Regel – der Schritt zur echten Unabhängigkeit
Drei Monate – das klingt zunächst gewaltig. Aber genau diese Spanne macht den Unterschied zwischen einer Überbrückung und echter Resilienz.
Warum 90 Tage?
- Weil Naturkatastrophen oder Epidemien länger anhalten können, als man denkt.
- Weil Versorgungswege bei größeren Krisen nicht in zwei Wochen wieder funktionieren.
- Weil Menschen Zeit brauchen, sich an neue Umstände anzupassen.
Hier geht es nicht mehr nur um Vorräte, sondern um ein System, das dich langfristig trägt:
- Rotationslager: Vorräte, die du regelmäßig aufbrauchst und nachfüllst.
- Wasseraufbereitung: Filter, Kanister, Tabletten.
- Energiequellen: Solarpanels, Generator, Brennstoff.
- Selbstversorgung: Kräutergarten, vielleicht Hühner oder kleine Gemüsebeete.
- Gemeinschaft: Vernetzung mit Nachbarn oder Gleichgesinnten.
Die 90-Tage-Regel ist ambitioniert – aber sie zeigt, wie weit Vorsorge gehen kann.
Tabelle: 3 Stufen der Vorsorge im Vergleich
| Stufe | Szenarien | Dauer | Schwerpunkt |
| 3 Tage | Stromausfall, Sturm, Krankheit | kurz | Basisvorräte, Licht, Wärme |
| 14 Tage | Hochwasser, Streik, längerer Ausfall | mittel | Lebensmittel, Wasser, Hygiene, Info |
| 90 Tage | Blackout, Pandemie, Krise | lang | System, Selbstversorgung, Energie |
Praktische Tipps: So gehst du vor
Vorsorge wächst am besten Schritt für Schritt. Niemand muss sofort für drei Monate eindecken.
- Fang klein an
Stell dir eine Kiste mit Wasser, ein paar Konserven, Taschenlampe und Radio bereit. Schon hast du die 3-Tage-Regel erfüllt.
- Denke in Mahlzeiten
Plane realistisch: Was isst du und deine Familie gerne? Reis und Nudeln sind praktisch – aber nur, wenn du sie tatsächlich nutzt.
- Rotieren statt horten
Verbrauch die Vorräte regelmäßig und ersetze sie. So vermeidest du Verschwendung.
- Nicht nur ans Essen denken
Vergiss Medikamente, Hygiene, Haustiere, Babys oder spezielle Bedürfnisse nicht.
- Mach dir einen Plan
Wo lagerst du was? Wer kümmert sich im Ernstfall um welchen Bereich? Notizen helfen, im Chaos klar zu bleiben.
Liste: Typische Fehler vermeiden
- Nur auf Lebensmittel konzentrieren, Wasser aber vergessen.
- Dinge kaufen, die niemand mag oder verträgt.
- Keine Koch- oder Heizalternative einplanen.
- Vorräte im Keller lagern, der bei Hochwasser überflutet werden könnte.
- Hygiene und Müllentsorgung unterschätzen.
- Stromversorgung für Handys oder Geräte vergessen.
- Keine regelmäßige Kontrolle und Rotation.
- Zu kompliziert starten statt klein und machbar.
Ein Bild im Kopf
Stell dir dein Zuhause als Schiff vor. Bei ruhiger See merkst du kaum, dass es Vorratsräume gibt. Aber wenn der Sturm kommt, bist du froh, dass dein Schiff beladen ist. Ein leeres Schiff mag leicht wirken – doch es trägt dich nicht weit.
Fazit: Deine Vorsorge, dein Maßstab
Wie viel du vorsorgen solltest, hängt letztlich von dir ab.
Die 3-Tage-Regel ist das Minimum. Die 14-Tage-Regel ist solide und realistisch. Die 90-Tage-Regel ist ein Ziel für alle, die echte Unabhängigkeit wollen.
Wichtig ist nicht, sofort perfekt vorbereitet zu sein, sondern überhaupt anzufangen. Jede Flasche Wasser, jede Dose im Regal ist ein Schritt mehr in Richtung Sicherheit. Und vielleicht merkst du bald, dass Vorsorge gar nicht Last bedeutet, sondern Freiheit – die Freiheit, gelassener in eine ungewisse Zukunft zu schauen.


